Sturz vom Pferd wann zum Arzt

Von | Juni 12, 2021

Sturz vom Pferd wann zum Arzt ?


Sturz vom Pferd wann zum Arzt - Ratgeber

REITERUNFALLSCHUTZ BIS 1 MIO. €

„Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er…“ Jeder kennt diese Zeilen. Aus den Kindertagen, als man auf den Knien der Eltern unfreiwillig den ersten Trab erlebte. Aber wer haftet eigentlich beim Sturz vom Pferd? Wer zahlt und was tun nach einem Sturz vom Pferd? Wann sollte man bei einem Sturz vom Pferd zum Arzt? Auf dieser Seite finden Sie Antworten zu Verletzungsmustern, Schmerzensgeldern und zum Schutz bei Reitunfällen für Kinder.

Natürliche Schiefe kann zu Sturz vom Pferd führen

Die natürliche Schiefe beim Pferd ist eine häufig verkannte Gefahr. Und gleichzeitig ein ernstes Risiko für Ross und Reiter. Vor allemwenn aus der Schiefe Rittigkeitsprobleme resultieren. Ebenso bei einem „Problempferde“-Verhalten.

Ganzheitliche Experten für Pferdegesundheit wie zum Beispiel Sandra Fencl (Pferdeosteopathin, Physiotherapeutin, Hufpflegerin, Pferdedentistin usw.) vermitteln seit Jahren Praxisübungen und Trainingsinhalte zur Korrektur der natürlichen Schiefe beim Pferd. Denn die Asymmetrie beim Pferde kann im Trab oder im Galopp sogar zum Sturz vom Pferd führen.

Reiter sind von Natur alles andere als zimperlich. Denn Sie müssen bei ihrem Sport die ein oder andere Verletzung in Kauf nehmen. Zum Glück beibt es meist bei kleinen Blessuren. Doch es kann auch anderes kommen.

Denn pro Jahr erleiden etwa 93.000 Reiter einen Unfall. Etwa 6 Prozent der 1,46 Millionen Sportverletzungen sind die Folge von Unfällen beim Reiten. Bei Bissen, Tritten und vor allem bei einem Sturz vom Pferd stellen sich daher 2 Fragen:


Das Reitunfallrisiko ist nicht erst nach einem Sturz vom Pferd relevant


Ein Reiter muss sich der Risiken bewusst sein. Im Idealfall bevor er aufsitzt. Denn das Reitrisiko beginnt bereits im Stall oder auf der Weide. Selbst wenn man noch nicht auf dem Pferd sitzt. Deshalb ist eine Reiterunfallversicherung für Kinder mit eigenem Pferd zu empfehlen. Natürlich auch bei einer Reitbeteiligung. Ebenso für Erwachsene. Kurz gesagt: Für alle Reiter ist sie quasi obligatorisch.

Als Besitzer von einem Pferd müssen Sie Sicherheit groß schreiben. Ebenso als Reitbeteiligung. Experten wie Prof. Norbert Meenen (Leiter Sportmedizin des Altonaer Kinderkrankenhauses und Gründer der Hamburger AG Reitsicherheit) empfehlen: Beachten Sie zu allererst die Sicherheitsvorkehrungen. Dann hat Reiten hat viele positive Aspekte. Vor allem dient es der körperlichen und geistigen Entwicklung von Kindern.

  • erstens fördert Reiten die Konzentrationsfähigkeit
  • außerdem steigert Reiten das Selbstwertgefühl
  • weiterhin trainiert der Umgang mit einem Pferd das Verantwortungsgefühl
  • zusätzlich ist interessant, wie viel Kalorien Reiten verbraucht. Somit hilft es auch beim abnehmen

EXPERTEN-TIPP:

ERSTE-HILFE-Kurse sollte man alle 2 Jahre auffrischen. Dies gilt auch für Eltern im Hinblick auf spezielle Kindernotfall-Kurse. Beides ist übrigens bequem online möglich.

Außerdem bieten ASB, DRK und die Malteser Kurse vor Ort an:


Sturz vom Pferd: Was tun?


Ein schwerer Sturz vom Pferd ist das Horror-Szenario für jeden Reiter. Die schlimmsten Unfälle erfolgen bei einem Sturz vom Pferd im Galopp. Oder wenn ein Pferd samt Reiter stürzt und in anschließend überrollt. Diese Unfälle ereignen sich jedoch nicht nur bei Spring- und Vielseitigkeitsreiten, sondern ebenso beim ganz normalen Ausritt.

Deshalb wissen erfahrene Reiter: Asphalt kann bereits im Schritt gefährlich sein. Ganz gleich ob an einer Straße mit Gefälle oder auf der Ebene. Denn Hufeisen erhöhen das Risiko. Insbesondere, wenn die Nagelköpfe schon etwas abgelaufen sind. Der Ausritt auf asphaltierten Strecken gleicht häufig einer Schlittschuh-Partie mit einem 500 kg schweren vierbeinigen Partner.


Verhalten nach einem Sturz vom Pferd


  1. Nach einem Sturz vom Pferd gilt: Ruhe bewahren!
    Der gestürzte Reiter ist bereits am Boden. Die Situation kann sich insofern nicht mehr verschlechtern. Alle Maßnahmen, welche nun getroffen werden, dienen der Verbesserung. Aufregung und Hektik schaden mehr als das sie nützen. Vermeiden Sie Panik und gehen Sie überlegt vor.
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  2. Prüfen Sie, ob der Reiter ansprechbar ist!
    Wenn der verunglückte Reiter auf Ansprache reagiert, fragen Sie ihn nach Verletzungen und Schmerzen. Können Sie womöglich Blutungen erkennen? Kann er seine Arme und Beine vorsichtig bewegen? Wenn der Reiter auf dem Boden liegend vorgefunden wird, ohne auf Ihre Ansprache zu reagieren, prüfen Sie ob die Vitalfunktionen wie Atmung und Puls vorhanden sind. Können Sie keine Atmung feststellen, beginnen Sie mit den geltenden Lebensrettungs- bzw. Wiederbelebungsmaßnahmen.
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  3. Versorgen Sie offensichtliche und blutende Verletzungen!
    Sollten bei einem gestürzten Reiter offene Verletzungen oder Hämatome erkennbar sein, versorgen Sie zunächst die Wunden.
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  4. Bei diesen 12 Symptomen sollten Sie einen Arzt aufsuchen bzw. verständigen:
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    1. Der Reiter ist nicht mehr ansprechbar oder zeigt keine Lebenszeichen.
    2. Der Reiter beklagt Atemnot.
    3. Der berichtet von Schmerzen im Brustkorbbereich. (Infarkt?)
    4. Starke Schmerzen im Bauchbereich.
    5. Arme, Schultern und Beine sind nicht oder nur eingeschränkt beweglich.
    6. Starke Schmerzen im Ruhezustand bzw. beim Abtasten.
    7. Der Reiter befindet sich in einem Schockzustand.
    8. Der Reiter berichtet von Taubheit und Kribbeln.
    9. Der Reiter klagt über Nackenschmerzen nach dem Sturz vom Pferd.
    10. Der Reiter leidet unter starken Rückenschmerzen.
    11. Es besteht der Verdacht auf Knochenbrüche (z.B. Rippenbruch).
    12. Es bestehen größere Verletzungen mit nicht stillbaren Blutungen oder extremen Auffälligkeiten zu den Vitalwerten.
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  5. Rufen Sie in jedem schweren oder unklaren Fall professionelle Hilfe!
    Bei Reitunfällen gilt: Im Zweifel rufen Sie lieber die Ambulanz oder den Krankenwagen:
  • Der ärztliche Bereitschaftsdienst: 116 117
  • Der ärztliche Notruf: 112

Beispiele für Stürze vom Pferd


  1. Beispiel: Sturz vom Pferd wann zum Arzt
    Eine erfahrene Reiterin, welche bereits seit fast 20 Jahren reitet, geht mit ihrem Pferd auf den Reitplatz. Dieser liegt in der Nähe des Stalls an einem Waldweg. Das Training neigt sich bereits dem Ende zu als urplötzlich Kinder mit Fahrrädern vor dem Gatter stehen. Unisono schreien sie aus voller Brust und klingeln dazu fanatisch mit ihren Fahrradschellen. Im Galopp kehrt das Pferd plötzlich nach links. Die Reiterin reißt es aus dem Sattel. Sie staucht sich das Steißbein bis in den Nacken mit massiven Schwellungen und Schleudertrauma. Ein Bekannter bringt sie in die nächste Ambulanz.
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  2. Beispiel: Sturz vom Pferd wann zum Arzt
    Beim Aufsitzen erschrickt sich das Pferd durch ein vorbeifahrendes Motocross-Motorrad. Es rennt los, bevor die Reiterin sicher im Sattel sitzt. Die Reiterin kann sich gerade noch halten, verpasst allerdings die Steigbügel. Das Pferd rast im vollen Galopp auf einen Zaun zu. Bei einem Sprung ohne Halt in den Steigbügeln droht ein Fiasko. Kurz vor dem Hindernis macht der Wallach eine Kehrtwende. Dieses Manöver reißt die Reiterin mit voller Wucht aus dem Sattel. Sie knallt auf den Boden. Diagnose: Sechs Querfortsätze, 3 Wirbel und 2 Rippen gebrochen.
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  3. Beispiel: Sturz vom Pferd wann zum Arzt
    Eine junge Reiterin will mit einem älteren Pferd nach einer ausgedehnten Aufwärm-Einheit und Schritt-Trab-Arbeit zur Abwechslung mal wieder galoppieren. Der Reitplatz ist in einem trockenen und verkehrssicheren Zustand. Nach ersten gut gelungenen Galoppsprüngen tritt das Pferd falsch auf und rutscht weg. Die zierliche Reiterin (1,65 m) stürzt zu Boden. Das fast 700 kg schwere Pferd hinterher und begräbt die Reiterin unter sich. Zunächst liegt das Pferd mit seinem gesamten Gewicht auf der Brust der Reiterin. Gott sei Dank kann das Pferd nach einigen Sekunden von alleine aufstehen. Aufgrund der Prellungen an Armen und Beinen und starker Schmerzen im Brustkorbbereich ruft eine Freundin vorsorglich den Rettungswagen.

Typische Verletzungsmuster bei Reitunfällen


  • Hüftschmerzen und Beckenprellung nach einem Sturz vom Pferd
  • außerdem Prellungen an Armen und Beinen nach dem Sturz vom Pferd
  • ebenso Nackenschmerzen nach einem Sturz
  • weiter Schleudertrauma
  • und zusätzlich Schmerzen am Steißbein nach Stürzen vom Pferd
  • ferner Schulterschmerzen
  • und darüber hinaus Rückenschmerzen und Atemnot nach Sturz vom Pferd

Wer zahlt bei einem Sturz vom Pferd?


Erfahrene Reiter stürzen seltener, andere machen 2 Mal im Jahr einen ungeplanten Abgang. Doch selbst routinierte Reiter wirft eine spontane Vollbremsung im Gelände ruckzuck unfreiwillig aus dem Sattel. Manchmal läuft jahrelang alles gut, ein anderes Mal reiht sich ein Sturz innerhalb von wenigen Wochen an den nächsten. Eine Frage stellt sich nach einem Reitunfall immer: Wer haftet eigentlich bei einem Sturz vom Pferd?

Dabei muss man 2 Unfallereignisse unterscheiden:

  • Der Sturz vom eigenen Pferd.
  • Der Sturz als Fremdreiter oder Reitbeteiligung von einem fremden Pferd.

1. Der Sturz vom eigenen Pferd

Bei einem Sturz vom eigenen Pferd gehen Sie als Reiter zunächst leer aus. Die Tierhalterhaftpflichtversicherung leistet nur für Schäden gegenüber einem Dritten und niemals für Ihren eigenen Schaden. Als Reiter bleibt Ihnen als einzige Lösung eine Reiterunfallversicherung. Die private Unfallversicherung inklusive Reitrisiko leistet unabhängig von einer Schuldfrage. Sollten Sie als Reiter eines fremden Pferdes verletzt werden (z.B. Reitbeteiligung), so haben Sie einen doppelten Anspruch auf Entschädigung:

☝️WICHTIG: Beide Ansprüche werden nicht gegeneinander aufgerechnet.

2. Der Sturz als Fremdreiter oder Reitbeteiligung von einem fremden Pferd

Grundsätzlich haften Pferdehalter nach dem Gesetz zunächst für alle Schäden, welcher einem anderen durch ihr Pferd entstanden ist. Dies gilt vor allem in Bezug auf die so genannte spezifische Tiergefahr für Luxustiere, wozu der Gesetzgeber auch Pferde zählt. Was viele nicht wissen: Der Pferdehalter haftet automatisch ohne Prüfung seiner Schuldfrage für alle Schäden, die sein Pferd verursacht. Selbst dann, wenn ihn keine Schuld trifft oder er noch nicht einmal in der Nähe war.


Schmerzensgeld nach Sturz vom Pferd


Wer in der glücklichen Lage ist und über eine private Reiterunfallversicherung verfügt, kann sich bei schweren Verletzungen wie beispielsweise einer Querschnittslähmung (Vollinvalidität) auf eine Entschädigung von bis zu 1.000.000 Euro vertrauen. Diese Leistung ist dann vertraglich garantiert. Eine derartige Existenzsicherung inklusive Bergungskosten von bis zu 1 Mio. Euro, kosmetischen Operationen bis zu 50.000 Euro und einer Sofortleistung für Schwerverletzte kostet weniger als man glaubt.

Schmerzensgeldansprüche nach einem Sturz vom Pferd richten sich in der Regel gegen den Pferdehalter beziehungsweise gegen dessen Tierhalterhaftpflichtversicherung. Sollte die Ursache des Reitunfalls allerdings im Fehlverhalten eines Verkehrsteilnehmers liegen, so wäre z.B. die KFZ-Haftpflichtversicherung in Anspruch zu nehmen. Analog ist für ein schuldhaftes Verhalten einer Person die private Haftpflichtversicherung des Verursachers zuständig.

Der Anspruch auf Schmerzensgeld ist stets eine Einzelfallentscheidung. Das OLG Stuttgart sprach zum Beispiel einer jungen Frau 70.000 Euro Schmerzensgeld zu, weil diese nach einem Sturz beim Kamelreiten aus 1,87 m Höhe mit dem Kopf auf den Boden schlug. (Oberlandesgericht Stuttgart, Az. 13 U 194/17)

Bei einem Sturz vom Pferd werden zur Bemessung des Schmerzensgeldes z.B. die Beck’sche Schmerzensgeldtabelle oder die ADAC-Schmerzensgeldtabelle herangezogen. Über 180 Schmerzensgeldsätze mit weiterführenden Links finden Sie in der DAWR-Schmerzensgeldtabelle.

Beispielhafte Schmerzensgelder für sonstige Reitsportunfälle:

  • 5.000 EUR – Pferdetritt ins Gesicht
    (LG Aachen Urteil vom 06.03.1990, 10 O 654/89)
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  • 5.000 EUR – Kopfbewegung reißt Zeigefinger teilweise mit Geschirr ab
    (LG Gera Urteil vom 13.12.2005, 6 O 762/05)
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  • 7.500 EUR – Posttraumatische Gelenkarthrose nach Dressur-Unfall
    (OLG Hamm Urteil vom 20.09.2000, 13 U 78/98)
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  • 7.500 EUR – Verlust fast aller Zähne mit Ober- und Unterkieferprothese nach Tritt ins Gesicht. Der Frau wurde ein Mitverschulden von 25 Prozent angelastet.
    (OLG München NJW-RR 1991, 478)
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  • 7.500 EUR – Milz-/Nierenverletzung bei 6-jährigem Mädchen nach Auskeilen
    (OLG Düsseldorf Urteil vom 18.07.1997, 22 U 6/97)
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  • 10.000 EUR – 3-facher Kieferbruch und Teilabriss eines Ohres nach Pferdetritt
    (LG Kiel Urteil vom 16.03.2001, 9 O 275/00)
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  • 15.000 EUR –  Schädelbruch bei junger Reiterin durch Pferdetritt
    (LG Leipzig Urteil vom 16.02.1998, 3 O 5622/96)
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  • 20.000 EUR – Stirnfraktur und Bruch der Augenhöhlen nach Tritt mit Hinterhuf
    (LG Bückeburg Urteil vom 22.01.1999, 3 O 163/97)
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  • 30.000 EUR – Schenkelhalsfraktur bei junger Reiterin nach Sturz beim Longieren
    (OLG Karlsruhe Urteil vom 20.09.1990, 4 U 50/89)
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  • 35.000 EUR – Oberschenkelhalsbruch beim Füttern durch Pferdetritt
    (LG Oldenburg Urteil vom 21.06.2004, 17 O 410/03)
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  • 175.000 EUR – Verlust der Sehfähigkeit nach Pferdetritt ins Gesicht
    (OLG Köln Urteil vom 26.05.1998, 22 U 254/97)

☝️ VORSICHT: Grundsätzlich haftet zwar der Pferdehalter aufgrund der gesetzlichen Gefährdungshaftung für die typische Tiergefahr, die von seinem Pferd ausgeht. Die Gerichte prüfen jedoch, inwieweit den Geschädigten eine Mitschuld trifft. Diese liegt beispielsweise dann vor, wenn durch das Verhalten des Geschädigten die typische Tiergefahr gesteigert wurde. Dafür haftet der Pferdehalter und dessen Pferdehalterhaftpflichtversicherung nicht. Demgegenüber spielt die Schuldfrage bei einer Reiterunfallversicherung keine Rolle.

REITERUNFALLSCHUTZ BIS 1 MIO. €

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