Eigenbewegung Unfallversicherung – Was ist das?


Eigenbewegung in der Unfallversicherung – Diesen Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden!


EIGENBEWEGUNG VERGLEICHEN

Eigenbewegung in der Unfallversicherung wird unterschÀtzt
Ist Umknicken ein versicherter Unfall?

Was ist Eigenbewegung in der Unfallversicherung? ZunĂ€chst einmal  ein sehr wichtiges QualitĂ€tsmerkmal, welches nach unserem DafĂŒrhalten in keiner privaten Unfallversicherung fehlen sollte. Doch lĂ€ngst nicht alle Policen zahlen bei unfallbedingten Eigenbewegungen. Wenn Sie Ihre Unfallversicherung vergleichen, werden Sie feststellen: Nur die leistungsstĂ€rksten und besten Unfallversicherungen bietet diesen beitragsfreien Einschluss. Wenn Sie noch zögern, ob eine private Unfallversicherung fĂŒr Sie persönlich ĂŒberhaupt Sinn macht, lesen Sie unseren Artikel: Braucht man eine private Unfallversicherung?

Worum geht es bei den Eigenbewegungen?

BEISPIEL:  In Ihrer Handball-Mannschaft nennt man Sie den “Löwen”. Sie sind allseits fĂŒr Ihren Kampfgeist bekannt. Ihr Motto lautet: “Alles oder nichts”. Kein Ball entgeht Ihren “FĂ€ngen”. Dies fĂŒhrt hin und wieder zu den eigenartigsten Verrenkungen. Insbesondere, wenn Sie im Wurf mit lang gestrecktem Arm am Trikot eines Mitspielers hĂ€ngen bleiben. Es stellt sich die Frage: Wenn diese Bewegung zu bleibenden Unfallfolgen fĂŒhrt, wĂ€re dies als Eigenbewegung in Ihrer Unfallversicherung mitversichert?


Was ist ein Unfall durch Eigenbewegung?


Die von manchen Unfallversicherungen nicht gedeckte Eigenbewegung ist womöglich der Tatbestand, ĂŒber den nach einem Unfall am meisten gestritten wird. In meinen Fachkolumnen habe ich immer wieder auf das Risiko einer rechtlichen Auseinandersetzung im Zusammenhang mit Eigenbewegungen hingewiesen. Deshalb widmen wir dem “Eigenbewegung in der Unfallversicherung” einen eigenen Beitrag.

Die Problematik der “Eigenbewegung” resultiert letztlich aus 3 Fragen:

  1. Was ist ein Unfall im Sinne der Unfallversicherungsbedingungen?
  2. Was verstehen Unfallversicherer unter Eigenbewegung?
  3. Ist eine Eigenbewegung in den jeweiligen Bedingungen als versicherter Unfall anerkannt?

1ïžâƒŁ. Die erste Frage haben wir bereits in einem eigenen Beitrag ausfĂŒhrlich beantwortet und Ihnen dazu ein ErklĂ€rvideo erstellt. Der Knackpunkt der Eigenbewegung ist die geforderte “Einwirkung von außen“. Was bedeutet das konkret?

Die 3 nachfolgenden echten Beispiele verdeutlichen, was man unter einem versicherten Unfall im Sinne von Ă€ußerer Einwirkung versteht:

  • Unsere Kundin (Köchin) bereitete ein schmackhaftes Essen zu. Dabei rutschte ihr ein teures und sehr scharfes Fleischmesser aus der Hand. Reflexartig griff sie zu, um das “gute” Messer vor dem Aufprall auf den gefliesten Boden zu retten. Leider fasste sie dabei in die Klinge und zertrennte sich die Sehne zwischen Daumen und Zeigefinger.
  • Unser Kunde war am frĂŒhen Abend mit seinem Motorrad im Westerwald unterwegs. Ein Wildschwein kreuzte plötzlich die Fahrbahn und lief ihm ins Vorderrad. Er stĂŒrzte und verletzte sich schwer.
  • Ich selbst fuhr mit meinem kleinen Sohn Benjamin (damals 4 Jahre) auf dem Fahrrad. Er geriet aus ungeklĂ€rter Ursache mit seinem Fuß zwischen Speichen und Vordergabel. Dabei zog er sich einen komplizierten Spiralbruch am Bein zu.

FĂŒr weitere Beispiele lesen Sie bitte unseren ausfĂŒhrlichen Beitrag: Was ist ein Unfall?

2ïžâƒŁ. Ein versicherter Unfall durch eine Eigenbewegung ist gekennzeichnet durch:

  • a) Reflexbewegungen
  • b) typische Bewegungen des Körpers in Verbindung mit einem unvorhergesehenen Ereignis

Wo liegt das Problem?

Die meisten unserer Bewegungen sind gewollt und gesteuert. Sie verlaufen in der Regel genau so ab, wie wir es uns vorstellen. “Normale Bewegungsmuster” stellen jedoch keinen versicherten Unfall dar. Auch dann nicht, wenn wir dazu etwas Muskelkraft aufwenden mĂŒssen, welche nicht ĂŒber das fĂŒr Durchschnittsmenschen normale Maß hinausgeht. Daraus resultierende KörperschĂ€digungen sind nicht versichert, da die Definition des Unfallbegriffs nicht erfĂŒllt wird. In der Praxis fĂŒhrt die Ablehnung des Unfallversicherers regelmĂ€ĂŸig nicht nur zu UnverstĂ€ndnis, sondern zu handfestem Ärger.

Wenn jedoch unsere eigenen Bewegungen, welche normalerweise planmĂ€ĂŸig und von Anfang bis Ende beherrschbar verlaufen, durch einen hinzukommenden außergewöhnlichen Zustand der Außenwelt gestört werden, reagiert unser Körper auf diese Ablaufstörung in der Regel mit einer unerwarteten Ausgleichsbewegung (Eigendynamik).

So zum Beispiel wenn Sie:

  • stĂŒrzen
  • umknicken
  • abgleiten
  • sich abfangen mĂŒssen
  • sich abstĂŒtzen mĂŒssen

In einer mathematischen Formel könnte man es so beschreiben:

NE + Ü = AB

d.h. Normale Eigenbewegung + Überraschung = Ausgleichsbewegung


Wie die Gerichte zu Eigenbewegungen urteilen


Die Diskussion, was eine unfallversicherte Eigenbewegung ist und was nicht, beschĂ€ftigt regelmĂ€ĂŸig die deutschen Gerichte. Dabei geht es immer um den Punkt, ob das vorgefallene Ereignis die Definition des Unfallbegriffs erfĂŒllt oder nicht. Die Praxis in der Schadenregulierung zeigt, dass Verletzungen als Folge von Eigenbewegungen vor allem dann auftreten, wenn die versicherte Person bereits vor dem Unfall gesundheitlich geschwĂ€cht war.

Die hÀufigsten Ursachen sind:

  • Krankheiten
  • Gebrechen
  • altersbedingte Degeneration
    (RĂŒckbildung, Verschleiß, Verfall)

Die Richter stellten fest:

Ein vollkommen gesunder Mensch knickt normalerweise nicht auf einer BodenflĂ€che einfach um, wenn diese vollkommen eben, trocken und ohne Hindernisse ist. Kommt es dennoch zu einem Umknicken des Fußes resultiert dies erfahrungsgemĂ€ĂŸ oft aus bereits geschwĂ€chten BĂ€ndern des Sprunggelenks. Ähnliche Effekte kann man hĂ€ufig beim Zerreißen von Achillessehnen oder bei SchĂ€den im Bereich der Rotatorenmanschette (Schultergelenk) beobachten, welche meist bereits vorher ĂŒberstrapaziert waren.

Beispiele fĂŒr gerichtlich nicht als unfallbedingt anerkannte Eigenbewegungen:

  • Umknicken des Fußes beim Aussteigen aus dem Auto auf eine ganz normale BodenflĂ€che ( d.h. keine Unebenheiten, keine GegenstĂ€nde, keine EisglĂ€tte etc.)
  • Reißender Schmerz im RĂŒckenbereich bei normalen Gartenarbeiten mit einem Spaten (keine ĂŒberraschenden Hindernisse im Boden wie z.B. Steine, Wurzel, Metall, Draht etc.)
  • Umknicken auf normaler ebener FlĂ€che ohne irgendeine andere Einwirkung

Schadenbeispiele fĂŒr Eigenbewegungen



In diesen Alltags-Situationen kommt es zu UnfÀllen durch Eigenbewegungen:

  1. Umknicken des Fußgelenks beim Aussteigen aus dem Auto.
  2. Bandscheibenvorfall beim Anheben einer Mörtelwanne.
  3. Wirbelbruch beim Festziehen einer bereits festgestellten Handbremse.
  4. Fußballer schießt im Liegen und zieht sich Meniskusriss zu.
  5. Fußballer bleibt beim Laufen in der Grasnarbe hĂ€ngen und zieht sich Kreuzbandriss zu
  6. Verdrehen eines Gelenks beim Halten einer langen Leiter.
  7. Bandscheibenvorfall beim Herausreißen eines Strauches.
  8. Tennisspieler streckt sich sehr heftig, um hohen Ball zu erreichen.
  9. BĂ€nderriss aufgrund eines “Ausrutschers” beim Tanzen.
  10. Straucheln beim Tritt in eine Vertiefung auf dem Fußweg (z.B. fehlende Bodenplatte).
  11. Umknicken des Fußgelenks aufgrund einer Unebenheit im Boden.
  12. Knieverletzung nach dem Absprung vom Fahrrad.
  13. Beim Tragen gerÀt eine Last ins Wackeln und droht zu entgleiten.
  14. Auf der Treppe treten Sie nur knapp auf die Stufe und rutschen davon ab.
  15. Beim Ausstieg aus dem Autotreten Sie auf einen grĂ¶ĂŸeren Stein, und knicken um.

WofĂŒr braucht man Eigenbewegung in der Unfallversicherung?


3ïžâƒŁ. Der Einschluss von Eigenbewegungen in der Unfallversicherung wird allgemein unterschĂ€tzt. Das zeigen aktuelle Umfragen:

  • 52 Prozent haben keinen Schutz gegen UnfĂ€lle durch Eigenbewegungen
  • 25 Prozent wissen nicht, ob ihre Police den wichtigen Einschluss von Eigenbewegungen enthĂ€lt
  • Mehr als jeder 2. BerufstĂ€tige (55%) wĂŒnscht sich von seiner Unfallversicherung, dass diese auch bei unglĂŒcklichen Eigenbewegungen zahlt. Bei Nicht-BerufstĂ€tigen sind es immerhin noch 41%.

TIPP:  Jede Unklarheit in den Versicherungsbedingungen gibt Gelegenheit zur Interpretation. Im Zweifelsfall eröffnen Sie Ihrem Versicherer damit die Möglichkeit, Ihren Unfall bedingungsgemĂ€ĂŸ abzulehnen. Damit es nach einem Unfall keine unnötigen Diskussionen mit Ihrer Unfallversicherung gibt, ist der Einschluss von Eigenbewegungen in der Unfallversicherung sinnvoll und empfehlenswert.

EXTRA-TIPP:  Nach einem “Unfall” sollten Sie dem Versicherer gegenĂŒber deutlich machen, dass Sie von einem klassischen Unfall oder von einer erhöhten Kraftanstrengung/Eigenbewegung ausgehen. Dazu sind folgende Voraussetzungen zu erfĂŒllen:

  • Ihr “normaler” Bewegungsablauf der Eigenbewegung wurde von außen “außergewöhnlich” und fĂŒr Sie ĂŒberraschend beeinflusst.
  • Bei der Arbeit mit oder an einer Sache hat diese eine “unvorhergesehene Eigendynamik” entwickelt.
  • Ein Gegenstand drohte, plötzlich aus dem Gleichgewicht zu geraten und Ihr Gegensteuern zog eine GesundheitsschĂ€digung nach sich.
  • Ein Objekt lief Gefahr, umzustĂŒrzen und Ihre Reaktion darauf verursachte eine GesundheitsschĂ€digung.

WICHTIG:  Wenn der Versicherungsschutz fĂŒr Eigenbewegungen nicht ausdrĂŒcklich vereinbart gilt, dann liegt ein versicherter Unfall nur dann vor, wenn jemand durch einen plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine dauerhafte GesundheitsschĂ€digung erleidet.


Welche Unfallversicherung zahlt bei Eigenbewegung?


Nur wenige Unfalltarife bieten Schutz bei Eigenbewegungen.

Beispielhafte Leistungsaussage in der Interrisk XXL Unfallversicherung:

“Unter den Versicherungsschutz fallen u.a.: GesundheitsschĂ€den infolge Eigenbewegungen [
] Der erweiterte Versicherungsschutz fĂŒr GesundheitsschĂ€den infolge Eigenbewegungen gilt nicht fĂŒr Verletzungen von Bandscheiben, Kopf, Lunge, Herz und Blutungen innerer Organe.”

“Zu den versicherten Eigenbewegungen (Absatz a)) zĂ€hlen auch Kraftanstrengungen. FĂŒr einen Oberschenkelhalsbruch oder einen Armbruch leisten wir, ohne dass es auf die Ursache ankommt und ohne uns auf eine Verursachung durch Krankheiten nach § 2 zu berufen. Zu den nicht unter den erweiterten Versicherungsschutz fĂŒr Eigenbewegungen fallenden Verletzungen des Kopfes zĂ€hlen beispielsweise auch GesundheitsschĂ€den an Augen oder Gehirn.

Beispielhafte Leistungsaussage in der ASKUMA Sorgenfrei Plus:

“UnfĂ€lle durch Eigenbewegung sind im Sorgenfrei Plus Paket nicht mitversichert. Ausnahme: Durch Eigenbewegung verursachte Bauch- und UnterleibsbrĂŒche (Ziffer 5.2.7).”

FĂŒr einen detaillierten LeistungsCheck der mitversicherten Eigenleistungen empfehlen wir Ihnen unseren → TARIFCHECK. Mit diesem kostenlosen Spezialvergleich können Sie jede Detail-Leistung einer Unfallversicherung prĂŒfen. So finden Sie schnell und unkompliziert die in Frage kommenden Lösungen.

So gehen Sie vor:

  • Klicken Sie hier und öffnen Sie den → TARIFCHECK.
  • Scrollen Sie nach unten.
  • Aktivieren Sie unter der Grafik “Leistungen bei Verlust von Organen und Gliedmaßen”
    (Bild: Frau im Fitness-Dress) zunÀchst den Punkt:
    • “Ich möchte weitere Angaben zum gewĂŒnschten Versicherungsschutz machen. Es werden dann nur Tarife angezeigt, welche die Vorgaben erfĂŒllen.”
  • Aktivieren Sie als nĂ€chstes die beiden Leistungsfragen:
    • “Bleibende SchĂ€den durch Eigenbewegungen mitversichert?” = ja
    • “Bleibende SchĂ€den erhöhte Kraftanstregung mitversichern?” = ja

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