Ist eine Unfallversicherung sinnvoll für Beamte?

By | 14. April 2015

Weshalb eine Unfallversicherung sinnvoll für Beamte ist, obwohl der Dienstherr bedingten Schutz bietet

Häufig stellt sich die Frage, ob eine Unfallversicherung sinnvoll für Beamte ist. Viele Beamte sind der Ansicht, dass sie durch ihren Arbeitgeber ausreichend abgesichert sind und daher keine Vorsorge treffen müssen. Das mag in manchen Bereichen auch richtig sein. Jedoch gibt es andererseits Situationen, in denen eine Zusatzabsicherung notwendig und empfehlenswert ist. Dazu gehört insbesondere der Bereich der Unfallversicherung.

Warum auch für Beamte eine Unfallversicherung sinnvoll ist, wird hier erläutert. So kann jeder Beamte erkennen, warum die staatliche Vorsorge in Bezug auf Unfälle im Ernstfall nicht ausreichend ist. Entscheidend ist deshalb eine zusätzliche private Unfallversicherung. Nur mit einer ergänzenden privaten Unfallversicherung sind auch wirklich alle finanziellen Risiken abgedeckt, die potenziell die Arbeitskraft und damit die Existenz des Beamten gefährden. Dabei ist zu betonen, dass ein solcher Unfall gar nicht so unwahrscheinlich ist und statistisch gesehen gerade in Fällen auftritt, in denen die gesetzliche Krankenversicherung oft nicht verantwortlich ist.

Die Unfallversicherung von Beamten

Richtig ist, dass Beamte bereits eine gewisse Absicherung haben, denn sie unterliegen einer gesetzlichen Unfallversicherung und kommen somit in den Genuss der beamtenrechtlichen Unfallfürsorge. Anders als beispielsweise bei einer gesetzlichen Krankenversicherung sind die durch die beamtenrechtliche Unfallfürsorge übernommenen Risiken aber deutlich eingeschränkt. So deckt die Unfallfürsorge nach §§ 30 ff BeamtVG nur Unfallfolgen ab, welche durch einen Dienstunfall ausgelöst wurden. Im Wesentlichen sind damit alle Unfälle abgesichert, welche sich während der Arbeitszeit ereignen. Es gibt zusätzlich noch die Ausnahmekonstellation von Wege-Unfällen, die ebenfalls übernommen wird.

Vor allem in der Freizeit ist eine Unfallversicherung sinnvoll für Beamte

Problematisch sind aber weiterhin alle Unfälle, die in der Freizeit passieren und das ist die überwiegende Mehrheit. Für solche Unfälle ist die gesetzliche Unfallversicherung in der Regel nicht zuständig. Falls es im Haushalt, beim Sport oder sonst in der Freizeit also zu einem Unfall kommen sollte, steht dem Beamten überhaupt keine finanzielle Absicherung zur Verfügung, auf die zurückgegriffen werden könnte. Bereits eine Unterbrechung der eigentlich versicherten Dienstfahrt (Wegeunfall) kann zum Verlust der Versicherungsschutz führen.

Aus der deutschen Rechtsprechung:

Im vorliegenden Fall leistete ein Beamter von abends 20:00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden (04:30 Uhr) Nachtdienst. Danach trat er mit dem Auto die Heimreise an. Die Entfernung zur Familienwohnung betrug in etwa 200 Kilometer. Als der Beamte nach einer Stunde Fahrt Anzeichen einer Übermüdung spürte, steuerte er den nächsten Rastplatz an und legte sich bis um ca. 08:40 Uhr zur Ruhe. Dann setzte er seine Fahrt fort bis er gegen 09:00 Uhr mit seinem PKW ins Schleudern geriet und sich im Straßengraben wiederfand. Diagnose: Halswirbelsäule und linke Schulter waren verletzt. Der Antrag auf Anerkennung als Dienstunfall (Wegeunfall) war fruchtlos. Und auch die daraufhin angestrengte Klage hatte vor dem Verwaltungsgericht keinen Erfolg.

Schon deshalb ist eine Unfallversicherung sinnvoll für Beamte. Nicht zu unterschätzen sind dabei die drohenden Kosten bei einem solchen Unfall. Es handelt sich dabei keinesfalls immer um überschaubare Beträge, welche man bequem aus der Portokasse zahlen kann. Gerade dann, wenn Unfallfolgen langfristiger Natur sind und es zu einer bleibenden Beeinträchtigung (Invalidität) kommt, schrauben sich die Kosten sehr schnell in utopische Höhen. Sechsstellige Beträge sind keine Seltenheit. Eine andauernde Einschränkung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit kann die Existenz bedrohen, wenn nicht gar zerstören. Deshalb ist eine zusätzliche Absicherung in Form einer Unfallversicherung sinnvoll für Beamte ebenso wie Nicht-Beamte.

Modalitäten der Unfallversicherung

Am deutschen Versicherungsmarkt existieren mittlerweile mehrere tausend Tarife zu privaten Unfallversicherungen, mit denen das Risiko einer Invalidität abgesichert werden kann. Neben den Standard-Konstellationen gibt es auch Unfallversicherungspolicen, die zusätzlich viele beitragsfreie Erweiterungen und Einschlüsse bieten. Welcher Unfallversicherungstarif im Einzelfall die richtige Wahl darstellt, lässt sich so pauschal nicht beantworten, weil der eigene Lebenswandel und die individuelle Risikosituation eine entscheidende Rolle spielen. So ist zum Beispiel das eigene Freizeitverhalten insbesondere, der Gesundheitszustand oder auch das Betreiben von Risiko-Sportarten relevant.

Auch ist zu prüfen, ob möglicherweise bereits andere Versicherungspolicen bestehen, die gewisse Risiken abdecken. Dabei sind die Kosten für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst besonders überschaubar. Beamte seien darauf hingewiesen, dass es bei manchen Versicherern vielfältige Vergünstigungen (Rabatte) für sie gibt. Ein Vergleich lohnt daher in jedem Fall.

In vielen Fällen besteht auch die überaus sinnvolle Möglichkeit, die eigene Familie mitzuversichern, sodass nicht nur das eigene Risiko, sondern auch das der Familienangehörigen minimiert wird. Fest steht, dass aufgrund der flexiblen Tarife für jeden Kunden ein passendes Angebot gefunden werden kann, das dem eigenen Lebensstil bestens entspricht.

Fazit

Dass eine Unfallversicherung sinnvoll für Beamte und grundsätzlich zu empfehlen ist, sollte anhand der Ausführungen mehr als deutlich geworden sein. Auch wenn man sagt, dass Beamte fast immer im Dienst seien, so gibt es vielfältige Konstellationen und Lebenssituationen, in denen gerade keine gesetzliche Absicherung besteht. Um dieses Risiko zu minimieren und getrost allen Aktivitäten ohne Angst vor drohenden Kosten nachgehen zu können, bietet sich der Abschluss einer privaten Unfallversicherung auch für Beamte an.

Über 

Thomas Orthey (50) - Autor, Berater, Dozent und Sachverständiger - ist seit 1989 als Versicherungsexperte in Deutschland tätig. Der studierte Versicherungsbetriebswirt publizierte in den letzten 17 Jahren mehr als 300 Fachartikel für jeweils ca. 720.000 Leser in 13 Tages- und Wirtschaftszeitungen, sowie in namhaften Fachmagazinen. Seine außergewöhnlichen Experten-Tipps wurden bislang über 70 Mio. Mal schwarz auf weiß gedruckt. Die Presse bezeichnet ihn als einen Mann "der für seine klaren Worte bekannt" ist. (Rhein-Zeitung)

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